Bärlappe


 

Die Vorfahren unserer B√§rlappgew√§chse besiedelten schon vor √ľber 300 Millionen Jahren die tropisch-warmen W√§lder des Karbon-Zeitalters. Die damals baumhohen Gew√§chse waren ma√ügeblich an der Entstehung unserer Steinkohlevorkommen beteiligt. Heute sind alle B√§rlapp-Arten unscheinbare und in ihrer Gestalt eher kleine Pflanzen, die zudem in ihrem Bestand mehr oder weniger stark gef√§hrdet sind.

 

Die B√§rlappe sind eine Artengruppe, f√ľr die der Naturschutz im Burgwald eine besondere Verantwortung hat.

Von den noch f√ľnf bekannten Arten sind nur zwei im Burgwald h√§ufiger zu finden, der Sprossende B√§rlapp (Lycopodium annotinum) und der Keulenb√§rlapp (Lycopodium clavatum).




Der Sprossende B√§rlapp (Lycopodium annotinum) ist das h√§ufigste der f√ľnf im Burgwald aktuell nachgewiesenen B√§rlapp-Gew√§chse. Gew√∂hnlich findet man ihn an eher frischen Standorten entlang der Forstwege.


Nahe Mellnau existiert in einem lichten Kiefern-Fichten-Forst allerdings ein Vorkommen mit einer Ausdehnung von mehreren Hundert Quadratmetern, wo die Pflanze einen fast fl√§chendeckenden Bestand bildet. Es d√ľrfte sich dabei um das gr√∂√üte Vorkommen im Burgwald, vermutlich sogar in ganz Hessen handeln.

Mit seinen kriechenden Ausl√§ufern verbreitet sich die Art √ľber den Waldboden. 

Die Rote Liste Hessens f√ľhrt den Sprossenden B√§rlapp in der Kategorie "Vorwarnliste"(V).




Die √§hrenf√∂rmigen Sporenst√§nde des Keulenb√§rlapp (Lycopodium clavatum)  befinden sich am Ende von stielartigen, aufrechten √Ąsten, wodurch die namensgebende Keulenform entsteht.



Nach der Schneeschmelze im Fr√ľhling leuchten die vertrockneten Sporenst√§nde des Keulen-B√§rlapps wie kleine Getreide-√Ąhren zwischen dem alten Heidekraut hervor. W√§hrend die √ľbrige Pflanze auch im Winter gr√ľn bleibt, sterben die letztj√§hrigen Sporenst√§nde ab und nehmen eine fast goldene F√§rbung an.

 Rote Liste Hessen 2008: "gef√§hrdet" (3)




Besonders bemerkenswert ist der Wiederfund des Sumpfbärlapps (Lycopodiella inundata) im Jahr 2005. Der letzte bekannte Standort war 1977 durch Überbauen erloschen. Zur Zeit ist die Art in der Renaturierungsfläche im Christenberger Talgrund und im NSG Steinbruch Hollenberg vorhanden.

In Hessen sind derzeit lediglich sechs Standorte bekannt, von denen sich zwei im Burgwald befinden. In 2012 konnten wir auf der durch die Aktionsgemeinschaft initiierten Renaturierungsfl√§che s√ľdlich der Franzosenwiesen einen Spross dieser Art neu entdecken. Hier entsteht wom√∂glich der siebte Standort in unserem Bundesland! Leider wurde diese Fl√§che in den letzten Jahren von w√ľhlenden Wildschweinen mehrfach heimgesucht...


Die Art nutzt in den Renaturierungsflächen offene nasse Sandböden und verschwindet mit der Ansiedlung hochwachsender krautiger Vegetation. Durch die fortschreitenden Maßnahmen und das sich damit immer wieder erneuernde Angebot an Offenboden kann sich die Art hoffentlich weiter ausbreiten.

Rote Liste Hessen 2008: "stark gefährdet" (2)




Bei einer unserer gef√ľhrten Wanderungen wurde durch Zufall der seltene Tannenb√§rlapp (Huperzia selago) mit einem ansehnlichen Bestand wiederentdeckt. Die Rote Liste Hessen 2008 weist ihn als "gef√§hrdet" (3) aus. Inzwischen konnte sogar ein weiterer Standort gefunden werden, so dass wir derzeit √ľber insgesamt drei Best√§nde im Burgwald Kenntnis besitzen.

 

Tannenbärlapp im Schnee


 

 

Als problematisch dagegen ist momentan die Situation der im Burgwald vorkommenden Flachb√§rlappe zu betrachten. Einige Standorte sind durch Beschattung vollkommen verschwunden. An der letzten verbliebenen Stelle wirken die Pflanzen wenig vital und breiten sich nicht weiter aus. Sporenst√§nde haben sich hier seit Jahren nicht mehr entwickelt. Trotz behutsamer Hilfsma√ünahmen durch den √∂rtlichen Revierf√∂rster scheint die Pflanze auch an diesem Standort zu verschwinden. M√∂gliche Ursachen k√∂nnen in der zunehmenden Beschattung durch umstehende Nadelb√§ume, der konkurrierenden Moosbedeckung des Bodens und dem Eintrag von Schadstoffen aus der Luft zu finden sein.

Die Fotos zeigen Exemplare aus dem noch vorhandenen kleinen Bestand im Burgwald. In fr√ľheren Publikationen wurde dieser Flachb√§rlappbestand als Zeillers Flachb√§rlapp (Diphasiastrum [Diphasium / Lycopodium] zeilleri) beschrieben. Neuere Untersuchungen hingegen kommen zum Ergebnis, dass es sich hierbei um den Gew√∂hnlichen Flachb√§rlapp (Diphasiastrum complanatum) handelt. (Huck+Sonnberger 2007)

In ganz Hessen lassen sich von dieser Art nur noch vier Standorte finden, so dass die Rote Liste Hessens 2008 diese Art als "vom Aussterben bedroht" (1) angibt.

 

 

 

 



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