Großlibellen




Östliche Moosjungfer (Leucorrhinia albifrons)

Schon als kleine Sensation kann man den Fund der hier gezeigten Libelle verbuchen, der im zentralen Burgwald gelang.

Es handelt sich um ein MĂ€nnchen der Östlichen Moosjungfer (Leucorrhinia albifrons), eine bundesweit sehr seltene Art, deren aktuelle Vorkommen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Niedersachsen und Bayern liegen.  

In Hessen gab es bislang nur Einzelfunde dieser Art in den Jahren 2012 (Lahnberge, MR, v. Blanckenhagen) und 2013 (Rodgau, Krs. OF, Adelmann), so dass der Fund im Burgwald ĂŒberhaupt erst der dritte gesicherte Nachweis dieser Libellenart fĂŒr unser Bundesland darstellt!

Der seltene Fund gelang ĂŒbrigens an "unserem" Teich, welcher im Rahmen unseres Moor-Renaturierungsprojektes sĂŒdlich der Franzosenwiesen vor einigen Jahren neu geschaffen wurde.

Der Burgwald ist doch immer wieder fĂŒr eine Überraschung gut!





Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta)



 MĂ€nnchen
 
 
 
 


 

Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea)

 
 
Das Foto oben zeigt ein frisch geschlĂŒpftes, noch nicht ausgefĂ€rbtes MĂ€nnchen.
 
 
 
AusgefÀrbte MÀnnchen zeigen auf ihrem Hinterleib leuchtend blaue Flecken. Auf dem brÀunlichen Thorax stechen zwei gelbe QuerbÀnder hervor.
 
 
 
Die GrundfÀrbung der Weibchen ist brÀunlich, mit einer meist gelben Zeichnung aus Flecken und BÀndern.
 
 
 
 
Rote Liste Hessen: "gefĂ€hrdet" (3), BRD: Art der Vorwarnliste (V) 
 
 
 
 
 

 

BlaugrĂŒne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea)

 
 
 
 
 
 
 
 
Foto oben: SchlĂŒpfendes MĂ€nnchen, links oben ist die leere LarvenhĂŒlle (Exuvie) zu sehen.
 
 
 
Das obige Bild zeigt ein frisch geschlĂŒpftes Weibchen der BlaugrĂŒnen Mosaikjungfer. Die FĂ€rbung des Körpers ist noch blass, sie entwickelt sich erst in den folgenden Tagen.

Die BlaugrĂŒne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) gehört zu den weit verbreiteten und hĂ€ufigen Libellenarten. Sie besiedelt nahezu jede Art von stehendem GewĂ€sser, vom Baggersee bis zum Gartenteich. Durch ihre auffĂ€llige FĂ€rbung und ihre geringe Scheu vor Menschen lĂ€sst sie sich meist leicht bestimmen.

Patroullierende MĂ€nnchen sind ausgesprochen neugierig und so nĂ€hern sie sich in ihren Revieren menschlichen Beobachtern oft bis auf wenige Zentimeter und verharren dabei fĂŒr Sekunden fliegend auf der Stelle. Gelegentlich sieht man sich so diesen faszinierenden Tieren "Auge in Auge" gegenĂŒber. In frĂŒheren Zeiten wurde dieses Verhalten vielfach als "Angriffslust" gedeutet und fĂŒhrte mit dazu, dass auch heute Libellen zuweilen noch als aggressive und gefĂ€hrliche Wesen angesehen werden. Dabei gehören Schilderungen, nach denen Libellen mit "sieben Stichen" einen Menschen töten oder KĂŒhen durch Bisse Fleischwunden beibringen können eindeutig in das Reich der Fabeln und MĂ€rchen. Libellen können weder stechen noch durch ihre Mundwerkzeuge Mensch oder Vieh gefĂ€hrlich werden!




 



 

Große Königslibelle (Anax imperator)

 
 
 Foto oben: weibliche Große Königslibelle verspeist einen Admiral (Vanessa atalanta).



 Frisch geschlĂŒpftes Weibchen der Großen Königslibelle (oben).

 








Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus)  

 

 
 
 
 
 
 

Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus)

 
 

Wie sich unschwer vermuten lĂ€sst, sind die ĂŒbergroßen, zangenartigen HinterleibsanhĂ€nge der MĂ€nnchen verantwortlich fĂŒr den Namen dieser Libellenart. Bei der Paarung ergreifen die MĂ€nnchen mit diesen, bei den Libellen artspezifisch ausgebildeten AnhĂ€ngen, ihre Partnerinnen hinter dem Kopf. KrĂŒmmen die Weibchen dann ihren Hinterleib nach vorne und verkoppeln dessen Ende mit dem Begattungsorgan des MĂ€nnchens, so bildet sich das fĂŒr Libellen charakteristische Paarungsrad. Im Insektenreich ist dies eine wohl einmalige Paarungsweise.

Die Kleine Zangenlibelle besiedelt reich strukturierte, naturnahe FlĂŒsse und BĂ€che. Von ihren bekannten Vorkommen an den OberlĂ€ufen von Lahn und Eder aus, besiedelt sie auch zunehmend die Bach-TĂ€ler des Burgwaldes. Der Bestand dieser Libellen-Art hat sich in den letzten Jahren in Hessen positiv entwickelt, was als Zeichen fĂŒr eine Verbesserung der WasserqualitĂ€t gedeutet werden kann.


 
  In der Roten Liste Hessens wird diese Art (noch) als "stark gefĂ€hrdet" (2) bezeichnet.
 


 
 
 


Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii)

 

Diese schöne, schwarz-gelb gefĂ€rbte Libellenart besiedelt kleine und grĂ¶ĂŸere BĂ€che mit guter WasserqualitĂ€t, welche sich in waldreichen Gebieten vorwiegend der Mittelgebirgsregion befinden. WĂ€hrend der Flugzeit, die zwischen Mitte Juni und Anfang August liegt, kann man die MĂ€nnchen bei ihren Patrouillen-FlĂŒgen in niedriger Höhe entlang der BachlĂ€ufe beobachten. Die Weibchen dieser Art (Foto oben) sind mit KörperlĂ€ngen um 85mm unsere grĂ¶ĂŸten Libellen. Mit ihrem Legebohrer stechen sie ihre Eier im Flug in das Sediment von seichten Bachbetten. In dem feinkörnigen Substrat am GewĂ€sserboden lebt die Larve fast vollstĂ€ndig eingegraben als LauerjĂ€ger. Ihre gesamte Entwicklung zur fertigen Libelle kann ĂŒber fĂŒnf Jahre dauern.                                            

Das untere Foto zeigt ein MĂ€nnchen.


 

 

 

Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata)

Nach mehreren Jahren konnte diese seltene Art kĂŒrzlich wieder im Burgwald in der NĂ€he von Mellnau nachgewiesen werden. GegenĂŒber der vorangestellten Schwesterart ist die Gestreifte Quelljungfer stĂ€rker an die Quellbereiche ihrer ReproduktionsgewĂ€sser gebunden.

Rote Liste Hessen: "stark gefÀhrdet" (2), BRD: "gefÀhrdet" (3)

 

 

 

Falkenlibelle, Gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea)


Die Falkenlibelle (Cordulia aenea) zĂ€hlt zu unseren jahreszeitlich am frĂŒhesten fliegenden Großlibellen. In gĂŒnstigen Jahren können bereits Mitte April die ersten geschlĂŒpften Tiere nachgewiesen werden, ĂŒblicherweise liegt der Schlupf allerdings eher Anfang Mai.

Die Art kommt im Burgwald an zahlreichen StillgewĂ€ssern unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe vor, aber meist nur in geringer Individuenzahl.  

In Hessen ist die Art weit verbreitet, jedoch wurde in den letzten Jahren ein RĂŒckgang der BestĂ€nde registriert. Die Rote Liste Hessens fĂŒhrt die Falkenlibelle in der Vorwarnliste (V).


 

  

Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica)

Eine echte RaritÀt hat der Burgwald mit der Arktischen Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) aufzuweisen. Sie zÀhlt zu den seltensten Libellen in Hessen und findet sich derzeit nur noch vereinzelt im Burgwald, in der Rhön und an einem Fundort im Spessart. Andere ehemalige Fundorte in Hessen sind offenbar inzwischen erloschen.

Die Arktische Smaragdlibelle gilt als spezialisierte Moorlibelle. Sie entwickelt sich in Moorschlenken und wassergetrĂ€nkten TorfmoosflĂ€chen, die mitunter oberflĂ€chlich ĂŒberhaupt kein GewĂ€sser erkennen lassen. Die Larven benötigen fĂŒr ihre Entwicklung zwei bis drei Jahre.

Bei den Imagines lassen sich die MĂ€nnchen gut an der Form der HinterleibsanhĂ€nge erkennen. (oberes Foto) Sie erinnern an die "Zangen" von OhrwĂŒrmern. Die Weibchen (Foto unten) sind am ehesten an den seitlich angeordneten gelben Flecken auf dem 3. Hinterleibssegment zu erkennen.

Durch den Verlust von geeigneten LebensrÀumen gilt die Art in Hessen als auch bundesweit in den entsprechenden Roten Listen als "stark gefÀhrdet" (2).




GlÀnzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica)

 

 

 

Feuerlibelle (Crocothemis erythraea)

Noch in den achtziger Jahren waren Beobachtungen der Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) in Hessen ausgesprochen seltene GlĂŒcksfĂ€lle, die aus dem Mittelmeerraum eingewanderten Tieren zu verdanken waren. Mittlerweile ist diese wĂ€rmeliebende Art in weiten Teilen Hessens verbreitet und gilt gebietsweise sogar als bodenstĂ€ndig.

Ob diese bemerkenswerte Bestandsentwicklung auf eine mögliche KlimaverĂ€nderung zurĂŒckzufĂŒhren ist, wird unter Fachleuten diskutiert. Inzwischen lassen sich die Tiere selbst im zentralen Burgwald entdecken, wie das oben gezeigte Weibchen, welches im Bereich der Franzosenwiesen gefunden wurde, dokumentiert. Ob diese Art hier allerdings auch reproduziert bleibt fraglich.

Die Feuerlibelle trÀgt ihren Namen durch die intensive rote FÀrbung der MÀnnchen, die Weibchen sind unauffÀllig blass-braun gefÀrbt.

 

 

 

Vierfleck (Libellula quadrimaculata)

 

 


Das obige Foto zeigt einen frisch geschlĂŒpften Vierfleck (Libellula quadrimaculata), mit der verlassenen Larvenhaut (Exuvie) darĂŒber.

Alle Libellen entwickeln sich als relativ unscheinbare Larven in GewĂ€ssern, wo sie, je nach Art, wenige Monate bis zu maximal fĂŒnf Jahre verbringen. Hier ernĂ€hren sie sich rĂ€uberisch von Kleinkrebsen, WĂŒrmern und den Larven von Wasserinsekten und durchlaufen in dieser Zeit bis zu 15 HĂ€utungen. Ist die Larvalentwicklung abgeschlossen, benötigt die Larve noch einige Tage der Vorbereitung, in denen sie ihre Atmung von Kiemen- auf Luftatmung umstellt und ihre Brust und FlĂŒgelscheiden anschwellen.

Schließlich verlĂ€sst die Larve, bei den meisten Arten frĂŒhmorgens, das Wasser und klettert an senkrechten PflanzenstĂ€ngeln empor. Hier platzt schließlich die Larvenhaut auf und die Imago, das geflĂŒgelte "Vollinsekt", schiebt sich heraus. Die noch lappig zusammen gefalteten FlĂŒgel und der Hinterleib werden mit KörperflĂŒssigkeit "aufgepumpt" und somit gestreckt und hĂ€rten allmĂ€hlich aus. Nach einer Weile bewegt die Libelle ihre ausgebreiteten FlĂŒgel und startet zu ihrem Jungfernflug.

Der gesamte SchlĂŒpfvorgang kann bis zu drei Stunden dauern. WĂ€hrend dieser Zeit sind die Tiere ihren Feinden oder auch den Launen der Witterung völlig hilflos ausgeliefert. So fallen viele Libellen z.B. den Angriffen von Vögeln, Spinnen oder auch Ameisen zum Opfer und durch plötzliche Regenschauer oder heftige Winde besteht die Gefahr, dass Körperteile verkleben und die Tiere verkrĂŒppeln.





Plattbauch (Libellula depressa)

Foto oben Weibchen, Foto unten MĂ€nnchen

 
 
 
 


 
 

SĂŒdlicher Blaupfeil (Orthetrum brunneum)

Das obige Foto zeigt ein Weibchen.

Rote Liste Hessen: "stark gefÀhrdet" (2)




Kleiner Blaupfeil (Orthetrum coerulescens)



oben: MĂ€nnchen; unten: Weibchen

 
 
 
 
Das gezeigte Weibchen des Kleinen Blaupfeils wurde am 20.7.2010 im westlichen Burgwald gefunden. Die Bestimmung anhand mehrerer Fotos ĂŒbernahmen Mitarbeiter des Arbeitskreises Libellen in Hessen. (Herzlichen Dank dafĂŒr!) Diese Art gehört nach wie vor zu den seltensten Libellen in Hessen.
 
Rote Liste Hessen: "Vom Aussterben bedroht" (1), Rote Liste BRD: "Art der Vorwarnliste (V)
 
 
 


 

Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

 
 
Foto oben frisches, Foto unten betagtes Weibchen
 
 
 
Foto unten MĂ€nnchen
 
 
 



 
 
 

Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum)

 
 
Foto oben MĂ€nnchen, unten Weibchen
 


 
 
 


 

Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum)

 
 
Foto oben MĂ€nnchen, Foto unten Weibchen
 
 
Große Heidelibelle, Paar (Foto unten)
 
 
 
 
 
 


 

Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum)

 
 
Foto oben MĂ€nnchen, Foto unten Weibchen
 
 
 
 
 
 


 

Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae)                   

 
Die MĂ€nnchen dieser relativ kleinen Libellenart tragen die namensgebende dunkle FĂ€rbung auf dem Hinterleib, die Weibchen hingegen besitzen ausgedehnte gelbe Zeichnungselemente. Beide Geschlechter weisen als charakteristisches Merkmal auf den Brustseiten ein schwarzes Band auf, in welchem je drei kleine gelbliche Flecken eingelagert sind.

Die Art besiedelt gerne saure und moorige GewĂ€sser und kommt im Burgwald noch in großer Anzahl vor. Hingegen berichtet der Arbeitskreis "Libellen in Hessen" von einem dramatischen RĂŒckgang der BestĂ€nde in den letzten Jahren, welcher die Vorkommen der Schwarzen Heidelibelle vor allem in Mittel- und SĂŒdhessen ausgelöscht oder stark dezimiert hat.

 
 
Rote Liste Hessen: Art der Vorwarnliste (V).


 
 
 


 

Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia)

 
 
Foto oben MĂ€nnchen, Foto unten Weibchen 
 
 
 Rote Liste Hessen: "gefĂ€hrdet" (3), Rote Liste BRD: "gefĂ€hrdet" (3).
 
 




Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis)

 
 
Neben vielen anderen seltenen Arten kommt im Burgwald die in Hessen nur noch an 4 bis 5 Standorten vertretene Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) vor. Sie gehört zu den im Anhang II der FFH-Richtlinie aufgefĂŒhrten besonders schĂŒtzenswerten Arten. Sie braucht besonnte, nicht trockenfallende MoorgewĂ€sser fĂŒr die Entwicklung ihrer Larven und fĂŒr die Imagines Jagdhabitate ohne starke Konkurrenz anderer Großlibellen. So ist sie zwar leicht von anderen Moosjungfern unterscheidbar, durch ihre Lebensweise aber eher schwierig nachzuweisen. Das obige, im Burgwald entstandene Foto zeigt ein MĂ€nnchen. (Foto: Martin Schroth, UNB Hanau) 
 
Rote Liste Hessen: "vom Aussterben bedroht" (1), Rote Liste BRD: "gefĂ€hrdet" (3) 



 
 
 
 
Dank fĂŒr Bestimmungshilfe an: Martin Miethke, u.a.

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